Was sind Marisken?

Marisken sind harmlose und meist symptomlose Hautläppchen am Rand des Afters. Sie können einzeln, zu mehreren oder auch zirkulär, das heißt um den gesamten After herum, auftreten. In ihrer Größe können sie sehr variabel sein, von ganz klein bis Kastaniengröße ist alles möglich.[1]

Der Name Mariske leitet sich vom französischen Wort marisque ab, welches so viel wie Feige bedeutet und auf eine Ähnlichkeit im Aussehen mit besagter Frucht hindeutet. Andere Bezeichnungen für Marisken sind Hautwülste, Analfalten, Schleimhautfalten, Hautkarunkel, Hautzipfel, Hautlappen, Analläppchen, Skin Ruga und Skin Tags.

Marisken oder Hämorrhoiden?

Viele Betroffene sind verunsichert, ob es sich um Hämorrhoiden handeln könnte. Das Hämorrhoidalleiden stellt jedoch eine komplett andere Erkrankung dar. Auch das Aussehen unterscheidet sich. Marisken entstehen aus schlaffen Anteilen der Analhaut, während Hämorrhoiden ein gut durchbluteter Gefäßpolster des Analkanals sind, der in fortgeschrittenen Stadien aus dem After heraustreten kann.[2]

Was macht Marisken aus?

Marisken sind üblicherweise weich und nicht schmerzhaft. Sie können sich aber auch als derb, fleischig bis knotig und dunkel gefärbt darstellen.[3] In den allermeisten Fällen besitzen Marisken keinen Krankheitswert und stellen lediglich ein hygienisches oder kosmetisches Problem dar.

Es besteht die Möglichkeit und Indikation zur operativen Entfernung (Op):

  • Wenn die Analhygiene durch ihr Vorhandensein stark beeinträchtigt wird,
  • sie durch ihre Größe Reibungsstellen an der empfindlichen umliegenden Haut des Analbereichs verursachen,
  • und in weiterer Folge Entzündungen entstehen.
  • Oder sie von Betroffenen als sehr störend empfunden werden.[2]

Wie entstehen Marisken?

Primäre Marisken: Der Großteil der Marisken wird als primär oder idiopathisch klassifiziert, was bedeutet, dass keine organische Ursache gefunden werden kann. Eine genaue Entstehungsursache ist nicht bekannt.[2]

Sekundäre Marisken: Wenn sich Marisken als Folge anderer Erkrankungen des Analbereiches entwickeln, werden sie als sekundär bezeichnet. Dies kann zum Beispiel bei:

  • einer chronischen Analfissur, also einem über einen langen Zeitraum bestehenden Riss in der Analschleimhaut, der Fall sein. Häufig wird dann die Bezeichnung Vorpostenfalte verwendet.[1]
  • Ein erhöhtes Risiko für Marisken besteht auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, wobei die Häufigkeit beim Morbus Crohn höher ist als bei der Colitis ulcerosa. Marisken, die im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung entstehen, haben ein anderes Aussehen. Sie sind eher nicht so sehr weiche Lappen, sondern fleischig, knotig, und dunkel gefärbt. Ihre Entwicklung wird vor allem durch chronische Entzündungsprozesse und die dadurch ausgelösten körpereigenen Reparaturprozesse begünstigt.[3]
  • Sekundäre Marisken können auch als Folge vorangegangener Operationen im Analbereich entstehen, beispielsweise nach chirurgischer Versorgung einer Analfistel, einer Analvenenthrombose oder eines Hämorrhoidalleidens auftreten.[4]

Wer ist betroffen? Wie häufig kommen Marisken vor?

Marisken kommen sehr häufig vor. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 75 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer innerhalb ihres Lebens davon betroffen sind. Eine spontane Rückbildung ist unwahrscheinlich. Sind Marisken einmal vorhanden, bleiben sie bestehen. Frauen entwickeln Marisken oft früher als Männer. In der Literatur wird angegeben, dass Frauen etwa ab dem zwanzigsten Lebensjahr und Männer etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr betroffen sind. Marisken können grundsätzlich aber in allen Altersstufen auftreten, selbst bei Kindern werden Fälle beschrieben.[5][6] Lediglich die Wahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Alter.

In jüngeren Jahren treten Marisken eher einzeln auf, im fortgeschritteneren Alter kommen sie tendenziell eher in Gruppen vor. Ihr Aussehen unterscheidet sich also. Erklärbar ist dieses Phänomen vor allem dadurch, dass sich das Bindegewebe mit dem Alter verändert und seine Stützfunktion schwächer wird.[7]

Auffällig ist auch eine scheinbare Häufung des Auftretens in der Schwangerschaft und rund um oder kurz nach Geburten. Hier könnten Veränderungsprozesse im Bindegewebe durch hormonelle Einflüsse, ohne die ein Geburtsvorgang gar nicht möglich wäre, eine Rolle spielen. Auch die unterschiedliche Altersverteilung im Vergleich zwischen Männern und Frauen erscheint so plausibel. In der Literatur ist dieser Zusammenhang allerdings nicht erforscht. Es sind keine Daten verfügbar, die diese Beobachtung belegen.[2]

Wie machen sich Marisken bemerkbar? Gibt es typische Symptome?

Marisken verursachen üblicherweise weder Schmerzen noch irgendwelche anderen Symptome. In diesen Fällen besitzen sie keinen Krankheitswert und erfordern auch keine Behandlung. Vergleichen sie Bilder, um dem Arzt ihren Verdacht schildern zu können.

Sie können allerdings, je nach Größe und Ausprägung, die Analhygiene durchaus erheblich erschweren. Wenn sich Stuhlreste zwischen den Hautläppchen sammeln, entstehen Irritationen der Haut. Der Stuhl selbst enthält Bestandteile, welche die empfindliche Haut des Analbereiches chemisch reizen.[8] In weiterer Folge kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die mit Schmerzen und Juckreiz einhergeht. Die Marisken können mit der Zeit auch knotiger erscheinen und sich härter und derber anfühlen.

Manchmal können Marisken durch ihre Größe alleine Hautreibung verursachen. Diese Reibung ist ein mechanischer Reiz, zusätzlich besteht die chemische Irritation durch Stuhlreste, sowie vermehrt angestaute Feuchtigkeit zwischen den Hautläppchen. All das wirkt sich negativ auf die Hautbarriere aus. Das warme und feuchte Milieu in den Hautfalten ist dann ein optimaler Nährboden für Bakterien und Pilze, die sich dort ansiedeln und Entzündungen der ohnehin schon geschädigten Haut verursachen.[2]

Wann soll ich zum Arzt, zur Ärztin gehen? Wie erfolgt die Diagnostik? Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Die Anwesenheit kleiner Hautläppchen am After ist üblicherweise harmlos und erfordert nicht zwingender Weise einen Arztbesuch. So können auch Bilder im Internet primär vom Aussehen her verglichen werden, um einen ersten Eindruck zu erhalten worum es sich handeln könnte.

Sobald diese Symptome auftreten, sollten Sie zum Arzt:

Unangenehm wird es allerdings, wenn sich die Hautläppchen und umliegende Bereiche entzünden. Ist die Entzündung einmal da, bemerkt man sie auch: Typische Zeichen einer Entzündung sind Rötung, Schwellung und Schmerz, auch Nässen, Brennen und Juckreiz sind möglich. Kleine Blutungen können vorkommen und werden als Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder der Unterwäsche sichtbar.

Sobald diese Symptome auftreten, ist ein Arztbesuch angeraten, denn die Beschwerden können mit passender Behandlung rasch gelindert und der Heilungsprozess unterstützt und beschleunigt werden.[1]

Wie wird diagnostiziert?

Eine einfache klinische Untersuchung reicht zur Diagnosestellung üblicherweise aus. Ein geschulter Blick auf die äußere Analregion genügt in den meisten Fällen, um Marisken zu identifizieren. Eventuell kann auch eine vorsichtige Tastuntersuchung des Rektums durchgeführt werden, um andere Erkrankungen der Analregion erkennen oder ausschließen zu können.

So können Marisken auch von Hämorrhoiden unterschieden werden, wobei ein gleichzeitiges Vorhandensein der beiden Erkrankungen natürlich möglich ist. Ein Unterscheidungsmerkmal kann auch sein, dass Hämorrhoiden während des Pressens anschwellen, Marisken nicht. Eine fachkundige medizinische Begutachtung bringt Aufschluss. In Einzelfällen ist die Entnahme kleiner Gewebeproben mit anschließender histologischer Untersuchung sinnvoll.[2]

Um welche anderen Erkrankungen kann es sich handeln?

  • Eine weitere Verwechslungsgefahr besteht bei Feigwarzen, auch Kondylome genannt. Diese sind kleine, warzenartige Wucherungen der Schleimhaut, hervorgerufen durch sexuell übertragbare humane Papillomaviren.[10] Hier sollte gegebenenfalls eine Behandlung erfolgen.
  • Weitere Erkrankungen, die ähnlich aussehen können, sind beispielsweise Analfibrome. Analfibrome werden auch als Analpolypen bezeichnet. Es handelt sich um eine gutartige Vergrößerung einer so genannten Analpapille. Analpapillen sind zackenförmige Schleimhautfalten, die bei allen Menschen natürlicherweise vorhanden sind und sich durch Entzündungsreize vergrößern können. Sie liegen allerdings häufiger innerhalb des Analkanals Richtung Rektum gerichtet. Auch diese Erkrankung ist harmlos und Bedarf keiner Behandlung.[9]
  • Auch ein Analkarzinom, also eine Krebserkrankung, kann sich als Wucherung am Rand des Afters bemerkbar machen und im Zweifelsfall durch eine Gewebebiopsie diagnostiziert werden.[1]

Gibt es Möglichkeiten, Marisken vorzubeugen?

Da die Ursache, warum Marisken entstehen, meist unbekannt ist, gibt es keine spezifische Prophylaxe. Allgemeine Empfehlungen bezüglich Analhygiene, um Hautreizungen vermeiden, sind aber sicher auch hier nicht verkehrt.

Eine optimale Analhygiene besteht darin, nicht zu viel und nicht zu wenig tun, um die empfindliche Haut im Analbereich nicht überzustrapazieren. Mechanische Reizungen durch zu enge Unterwäsche sollten vermieden werden, ebenso Materialien, die nicht atmungsaktiv sind, damit sich Feuchtigkeit nicht staut. Bei anderen Erkrankungen des Analbereiches wie Analfissuren empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, um die Entwicklung von Marisken als Folge der Erkrankung durch zeitnahe Behandlung zu vermeiden.[4]

Wie können Marisken behandelt werden?

Aus medizinischer Sicht sind Marisken harmlos und somit üblicherweise nicht behandlungsbedürftig. Eine Entfernen mittels Op ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Die Anwendung von einfachen Hausmitteln oder lokal pflegenden Salben reicht oft aus.

Doch auch wenn Marisken nicht gefährlich sind, können sie sehr unangenehm sein, vor allem wenn sie die Analhygiene erschweren und so das Entzündungs- und Infektionsrisiko erhöhen. Eine Rückbildung von selbst ist auch sehr unwahrscheinlich. Wenn sich ein Mariske erst einmal gebildet hat, bleibt sie bestehen.

Obwohl Marisken nicht dazu neigen, weiter zu wachsen und größer zu werden, können sie sich wiederholt entzünden und in der Folge härter, derber und knotiger werden. Auch Narbengewebe kann sich bilden. Daher kann man sie mittels Op entfernen, was aus hygienischen Gründen sinnvoll sein kann. Oftmals wird die Behandlung auch aus kosmetischen Gründen gewünscht und ist durchaus legitim. Ziel der OP ist es, weitere Entzündungen und Infektionen zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.[2]

Hausmittel bei Marisken

Auch Hausmittel können angewandt werden.

  • Bei Juckreiz helfen lokale pflegende Salben. Eine lokale pflegende Therapie mit entzündungshemmenden und juckreizstillenden Salben kann die Beschwerden lindern und so zur Besserung der Beschwerden beitragen.
  • Auch solche die Zinkoxid enthalten. Zink lindert den Juckreiz und unterstützt die natürliche Schutzfunktion der Haut. Da es eine Barriere zwischen Haut und den im Stuhl enthaltenen potentiell hautreizenden Substanzen bildet.
  • Passende Hautpflegeprodukte, die feuchtigkeitsspendend wirkt, unterstützt die Hautgesundheit ebenfalls. Sie sollte keine potentiell allergieauslösenden Inhaltsstoffe enthalten.
  • Sitzbäder, eventuell mit hautberuhigenden oder antientzündlichen Zusätzen aus der Apotheke, fördern die Hygiene im Analbereich und werden von vielen Betroffenen als wohltuend empfunden.[4]

Chirugische Mariskenentfernung

Vor der Op müssen andere Erkrankungen der Analregion ausgeschlossen werden, außerdem sollte sie in einem Zeitraum erfolgen, in dem keine aktive Entzündung vorhanden ist. Die Op selbst kann üblicherweise in lokaler Betäubung erfolgen. Einzelne Marisken werden entfernt und die Wunde anschließend offen gelassen.

Bei zahlreichen Marisken um den gesamten After herum kann eine Entfernung auf mehrere Durchgänge sinnvoll sein. Der postoperative Heilungsverlauf gestaltet sich normalerweise unkompliziert. Der Eingriff ist ambulant möglich und erfordert keinen stationären Aufenthalt.[11]

Einige Zeit nach der OP können die Wundränder entzündungsbedingt etwas anschwellen und der Eindruck entsteht, dass an dieser Stelle zwei Marisken entstanden sind. In aller Regel gehen diese nach erfolgreicher Abheilung zurück.

Marisken sind Hautläppchen

Marisken sind harmlose Hautläppchen, deren Entstehungsursache meistens nicht bekannt ist. In den meisten Fällen verursachen sie keine Beschwerden und müssen somit auch nicht entfernt werden. Eine allfällige lokale Pflegesalbe oder die Anwendung von einfachen Hausmittel kann helfen. Eine Rückbildung ist unwahrscheinlich und sie können die Analhygiene erschweren. So wird die Haut durch Reibung gereizt, und Entzündungen und Infektionen entstehen. Diese machen sich durch Juckreiz und Schmerzen bemerkbar.

In diesen Fällen sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Auch aus ästhetischen Aspekten können Marisken als störend empfunden werden. Eine chirurgische Entfernung ist möglich und verläuft meist unkompliziert.

Quellen

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  3. 3.
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    AWMF-Leitlinienregister Nr. 081/001p. Patienteninformation Mariske. Published 2002. Accessed March 27, 2024. https://register.awmf.org/assets/guidelines/081-001p.pdf
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    Mohanty PH, Sood V, Saubermann LJ. A 16-Year-Old Girl with Perianal Skin Tags. Pediatr Ann. 2012;41(6):10-12. doi:10.3928/00904481-20120525-10
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    Haas PA, Fox TA. Age-related changes and scar formations of perianal connective tissue. Diseases of the Colon & Rectum. 1980;23(3):160-169. doi:10.1007/BF02587619
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    Andersen PH, Bucher AP, Saeed I, Lee PC, Davis JA, Maibach HI. Faecal enzymes: in vivo human skin irritation. Contact Dermatitis. 1994;30(3):152-158. doi:10.1111/j.1600-0536.1994.tb00696.x
  9. 9.
    Rohde H. 23 Gutartige Analtumoren. In: Lehratlas der Proktologie. Georg Thieme Verlag KG; 2014. doi:10.1055/b-0034-26545
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