Brennen am After: Ursachen, Symptome & Behandlung
Verfasst vonDr. Kienbacher, fachlich geprüft vonDr. Barrientos
Besonders ein Brennen am After, das ein sehr unspezifisches Symptom darstellt, kann durch verschiedene Ursachen wie Hämorrhoiden, Analfissuren oder Fisteln verursacht werden. Es ist jedoch wichtig, diese Beschwerden ernst zu nehmen, da sie nicht nur lästig sein können, sondern auch durch ernsthafte Erkrankungen wie Krebs ausgelöst werden.[1]
Was genau ist der Unterschied zwischen Brennen und Jucken?
Brennen und Jucken sind sensorische Empfindungen, die oft miteinander verbunden sind. Sie werden durch ähnliche Mechanismen im Nervensystem ausgelöst.
Beide Symptome werden durch Aktivierung spezifischer Nervenfasern in der Haut hervorgerufen, insbesondere der sogenannte C-Fasern. Diese Nervenfasern übertragen Signale an das zentrale Nervensystem, was zu der Sinneswahrnehmung führt.
Obwohl man das Gefühl von Jucken und Brennen gewöhnlich unterscheiden kann, treten beide Symptome häufig parallel auf.[2]
Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass einige anorektale Erkrankungen sowohl Juckreiz als auch Brennen als Anzeichen aufweisen.[3]
Kratzen und Verletzungen der empfindlichen Haut können beide Symptome verstärken bzw. aufrecht erhalten. Hausmittel und Salben zur lokalen Pflege, die juckreizstillend und antientzündlich wirken, können hier förderlich und symptomlindernd sein.
Welche Krankheiten verursachen ein Brennen am After?
Ein schmerzhaftes Brennen am After, auch Analbrennen genannt, kann ein Indikator für verschiedene zugrunde liegende Erkrankungen sein. Im Folgenden werden die am meisten verbreiteten damit verbundenen Grunderkrankungen aufgezählt:
Hämorrhoiden: Grundsätzlich sind Hämorrhoiden normale Gefäßerweiterungen, die im Analkanal und Enddarm natürlicherweise vorkommen. Sie sind Teil des Verschlussapparats am Ende des Darmausganges und kontrollieren so den Stuhlgang.
Das sogenannte Hämorrhoidalleiden wird durch eine Vergrößerung der Gefäßpolster und einer damit einhergehenden Dysfunktion des Schließmechanismus und allfälliger Symptome verursacht. Symptome sind Jucken, Nässen, Brennen, Schmerzen, Druckgefühl am After sowie hellrotes Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier.[1]
Analfissur: Eine Analfissur ist ein Riss in der innen liegenden Schleimhaut des Afters. Bei dieser Erkrankung tritt meist ein stechender und brennender Schmerz beim Stuhlgang auf, der auch darüber hinaus einige Minuten bis Stunden anhalten kann.[1]
Analabszess und Analfistel: Ein Analabszess ist eine Ansammlung von Eiter im Gewebe direkt beim Anus oder Analkanal, die häufig durch eine Infektion der Analdrüsen verursacht wird. Sie können manchmal zu Analfisteln werden.6 Analfisteln sind unnatürliche, vom After ausgehende Gänge.[1]
Analekzem: Das Analekzem ist eine häufige anorektale Erkrankung, die mit Juckreiz, Brennen und nässenden Hautläsionen einhergeht. Dabei kommt es zu einer dysfunktionalen Hautbarriere. Das Ekzem tritt als Folge oder Symptom verschiedener Veränderungen der Haut und des Afters auf. Es kann aber auch durch veränderte mikrobielle und allergologischer Zustände entstehen.[7]
Pruritus ani: Der Pruritus ani ist eine subjektive Empfindung, die durch die Reizung von Nervenendigungen am After verursacht wird. Diese Irritation der Haut ist die häufigste Form eines lokalen Juckreizes. Obwohl jeder kurzzeitig Jucken und Brennen in einem normalen Rahmen verspürt, geht diese Empfindung darüber hinaus. Ursächlich sind dabei übermäßige Feuchtigkeitsansammlungen, Durchfall und Pilzerkrankungen im Anal- und Intimbereich meist beteiligt.[1]
Analmykosen: Diese sind eine Pilzinfektion der Haut im Bereich des Afters. Meistens handelt es sich hierbei um Sprosspilze (Candidagattung). Die Patienten verspüren oft Brennen und Jucken, das von einem oft nässenden und dunkelroten Areal im Bereich des Afters ausgeht.[10]
Analkarzinom: Das Analkarzinom ist ein bösartiger Tumor (Krebs), der sich im Anal- oder Rektumkanal entwickeln kann.[8] Viele Patienten interpretieren die Beschwerden vorerst fälschlicherweise als „Hämorrhoiden“, da es sich dabei auch um tastbare, eventuell blutende Veränderungen in der Region handeln kann. Diese werden von den Patienten vor allem aufgrund einer veränderten Größe oder Oberfläche beim Sitzen auf der Toilette wahrgenommen. Weitere Beschwerden können Blutungen, Juckreiz, Brennen und Schmerzen sein.[9] Wegen der potentiellen Bösartigkeit, ist es unbedingt erforderlich, derart gelagerte Symptome fachkundig abklären zu lassen.
Wer bekommt ein Brennen am After?
Perianale und anale Erkrankungen sind einer der häufigsten Gründe für den Besuch eines Hausarztes.[15] Da ein Brennen am After ein Symptom vieler Erkrankungen darstellt, kann es bei verschiedenen Patientengruppen vorkommen. Hämorrhoiden beispielsweise sind sehr weit verbreitet und man nimmt an, dass etwa die Hälfte aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens Hämorrhoiden entwickeln.[4] Das Risiko für eine Analfissur, die ebenfalls Ursache eines Brennens am Afters sein kann, liegt bei 7.8%.[5]
Warum muss man ein Brennen am After untersuchen lassen?
Bei analem Brennen ist es von entscheidender Bedeutung, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um angemessene Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden einzuleiten. Eine frühzeitige Untersuchung durch einen Facharzt:in ist daher unerlässlich. Erst durch eine gründliche Untersuchung und Diagnose können mögliche ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden.
Die Diagnose von Hämorrhoiden, Analfisteln und Analekzemen erfordert eine rektaldigitale und proktoskopische Untersuchung des Analkanals.[1] [6] [7] Auch für eine Analfissur beispielsweise ist zur Diagnostik eine umfassende proktologische Untersuchung mit Proktoskopie notwendig.[5]
Wie läuft der Arztbesuch ab?
Da ein Brennen am After durch unzählige externe Ursachen und Grunderkrankungen verursacht wird, führt der Arzt eine gründliche und umfassende Untersuchung durch. Es ist ratsam bei solchen Beschwerden einen Facharzt, wie einen Gastroenterologen:in oder Proktologen:in aufzusuchen, der die notwendige Expertise besitzt, um eine genaue Diagnose zu stellen.
- Anamnese: Beim Arzt:in wird zunächst eine ausführliche Patientenbefragung durchgeführt, um Informationen über familiäre Erkrankungen, die persönliche Krankengeschichte und vorliegende Symptome zu sammeln.
- Inspektion: Diese Untersuchung erfolgt im Liegen, wobei der Patient meist auf der linken Seite liegt. In dieser Position erfolgt die Betrachtung der analen Region. Dabei wird der Patient gebeten zu pressen und zu entspannen, während der Arzt die Region auf Rötungen, Blut und andere Auffälligkeiten hin betrachtet.
- Palpation: Anschließend wird der Afterbereich ohne besondere Vorbereitung abgetastet. Der Patient wird vor der Untersuchung über den Vorgang informiert und das Einsetzen des Fingers wird angekündigt. Der gesamte Analkanal einschließlich des Rektums wird abgetastet.
- Proktoskopie: Für eine genaue Untersuchung des Analkanals kann eine Proktoskopie durchgeführt werden. Dabei wird ein Rohr mit einer integrierten Kamera, zur detailreichen Betrachtung, in den After eingeführt.[1]
- Abstrichnahme: Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion wird, für den Nachweis dieser, eine Stuhluntersuchung und ein Hautabstrich der betroffenen Gegend gebraucht. Dabei wird mit einem Stäbchen das Areal abgestrichen und auf einem Nährboden ausgestrichen. Der Befund erfolgt je nach vorhandenem Wachstum auf dem Pilznährboden.[10]
Nach der Untersuchung wird der behandelnde Arzt eine Diagnose stellen und das weitere Vorgehen evaluieren. Dazu zählt die Entscheidung über eine geeignete Behandlungsmethode, basierend auf der Expertise des Arztes und den individuellen Bedürfnissen und Symptomen des Patienten.[1]
Wie behandelt man ein Brennen am After?
Die Wahl der Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Im nachfolgenden werden Behandlungsmöglichkeiten aufgezählt, die sich auf die oben genannten Grunderkrankungen beziehen, da es sich hierbei um die gängigsten Ursachen handelt:
Konservative Maßnahmen:
Lebensumstellung:
Als Basistherapie wird in vielen Fällen eine Ernährungsanpassung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr vorgeschlagen.
Dabei unterstützt eine ballaststoffreiche Ernährung, bestehend aus Obst, Gemüse und Quellstoffen (wie zum Beispiel Kleie) die Regulation des Stuhlgangs und verhindert Verstopfung und Durchfall. Auch die Vermeidung von Reizstoffen wie Alkohol, Nikotin, Koffein und scharfen Gewürzen sowie eine Änderung des Lebensstils durch regelmäßige Bewegung sind wichtig.
Lokale Behandlung:
Die Verwendung von lokal angewendeten Pflegeprodukten wie Cremes oder Salben kann dazu beitragen die Beschwerden zu reduzieren und gleichzeitig die zugrunde liegenden Ursachen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren zu beseitigen.[1] Da Juckreiz, Brennen und Schmerzen wiederholt Symptome von häufigen anorektalen Erkrankungen sind, geht eine Linderung dieser oft mit einer verbesserten Lebensqualität der Patienten einher.
Beispielsweise der Wirkstoff Hamamelis, der aus der Pflanze Hamamelis virginia gewonnen wird, weist biochemische Eigenschaften auf, die ihre entzündungshemmende und antitumorale Wirkung erklären.[14] Diese natürliche Substanz kann als konservative Option dienen, um die Haut zu beruhigen und Juckreiz zu lindern.[12] [13]
Hygienemaßnahmen: Hautreizungen werden durch eine verbesserte Analhygiene reduziert. Dies kann durch Vermeidung von aggressiven Reinigungsmitteln und sanftem Trocknen nach der Reinigung verhindert werden.[7]
Medikamentöse Maßnahmen:
Manche Grunderkrankungen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren müssen durch Medikamente weiter behandelt werden. Dabei stellen zum Beispiel nitrathaltige Cremen oder Kalziumantagonisten in Form von Salben eine Option dar.1 Im Falle von analen Pilzinfektionen wird auf lokal angewandte Medikamente gegen Pilze (Antimykotika) zurückgegriffen.[10] [11]
Chirurgische Eingriffe:
Bei schweren Fällen von Hämorrhoiden, Analfissuren, Analfisteln und bei Analkarzinomen kann eine chirurgische Sanierung oder Entfernung das Mittel der Wahl zur erfolgreichen Behandlung sein.[10] [8]
Quellen
- 1. R. Winkler, P. Otto und T. Schiedeck , Proktologie : ein Leitfaden für die Praxis, Stuttgart: Thieme, 2011.
- 2. C. Ferda und E. A. Lerner, „Physiology and Pathophysiology of Itch,“ Physiological Reviews, Bd. 100, Nr. 3, pp. 945-982, 2020.
- 3. A. E. Foxx-Orenstein, S. B. Ulmar und M. D. Crowell, „Common Anorectal Disorders,“ Gastroenterology & Hepatology, pp. 294-301, 2014.
- 4. T. Andus, H.-D. Allescher und M. Anthuber, Klinische Gastroenterologie, Stuttgart: Thieme, 2012.
- 5. L. Marti, S. Post und A. Herold, „AWMF online,“ 10 2019. [Online]. Available: https://register.awmf.org/assets/guidelines/081-010l_S3_Analfissur_2020-05.pdf. [Zugriff am 08 04 2024].
- 6. A. W., A. Herold und U. Ganzer, Coloproctology, Springer, 2008.
- 7. „AWMF online,“ 2019. [Online]. Available: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-007l_S1_Anakekzem-Diagnostik-Therapie_2019-10_1.pdf. [Zugriff am 08 04 2024].
- 8. T. A. Gondal und N. Chaudhary, „Anal Cancer: The Past, Present and Future,“ Current Oncology, pp. 3232-3250, 2023.
- 9. „AWMF online,“ 12 2020. [Online]. Available: https://register.awmf.org/assets/guidelines/081-004OLl_Analkarzinom_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-Analkanalkarzinom-Analrandkarzinom_2020-12.pdf. [Zugriff am 09 04 2024].
- 10. J. Lange, B. Mölle und J. Girona, Chirurgische Proktologie, Stuttgart: Springer, 2012.
- 11. S. A. Salati, „Anal Fissure - an extensive update,“ Polish Journal of Surgery, pp. 46-56, 2021.
- 12. B. J. Hughes-Formella, K. Bohnsack und F. Rippke, „Anti-inflammatory effect of hamamelis lotion in a UVB erythema test,“ Dermatology, pp. 316-22, 1998.
- 13. V. A. Jones, P. M. Patel und C. Wilson, „Complementary and alternative medicine treatments for common skin diseases: A systematic review and meta-analysis,“ JAAD International, pp. 76-93, 2020.
- 14. S. Sanchez-Tena und A. Carreras, „Hamamelitannin from witch hazel (Hamamelis virginiana) displays specific cytotoxic activity against colon cancer cells,“ Journal of Natural Products, pp. 26-33, 2012.
- 15. D. Nagle und R. H. Rolandelli, „Primary care office management of perianal and anal disease,“ Primary Care, pp. 609-20, 1996.
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