Analfibrom: Ursachen, Symptome & Behandlung
Verfasst vonDr. Kienbacher, fachlich geprüft vonDr. Barrientos
Was ist ein Analfibrom?
Ein Analfibrom ist die krankhafte Vergrößerung einer Analpapille, die natürlicherweise im Analkanal vorkommt. Sie kann von der Größe her variieren und bei Stuhlentleerung aus dem After vorfallen bzw. heraustreten. Das Analfibrom ist gutartig und bleibt es auch. Man kann es auch als Analpolyp oder Analpapille bezeichnen.[1] Das ist auch noch kein Grund ein Analfibrom entfernen lassen zu müssen. Es ist also grundsätzlich nicht gefährlich und entwickelt sich nicht zu Krebs.
Wie häufig kommen Analfibrome vor?
In Bezug auf die Häufigkeit des Auftreten von Analfibromen gibt es nur begrenzte Information. Einige Einzelbeobachtungen deuten darauf hin, dass zwischen 8.6% und 60% der Patienten, die proktologisch untersucht werden, ein solches Analfibrom haben. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die verfügbaren epidemiologischen Daten begrenzt sind.[17] Dies kann zu Unsicherheiten und Fragen führen, aber Sie sind nicht alleine. Es ist wichtig, mit einem Arzt / Ärzt:in zu sprechen, um weitere Informationen und eine angemessene Behandlung zu erhalten.
Wo entstehen Analfibrome?
Der Analkanal besteht aus drei Zonen, die untereinander durch bestimmte Linien abgegrenzt werden. Die Linea pectinata, oder auch Linea dentata genannt, trennt die beiden oberen Abschnitte voneinander.[3] In diesem Bereich entstehen Analfibrome. Ist sie subjektiv vergrößert, wird sie bei Endoskopien auch manchmal als hypertrophe Analpapille bezeichnet. Das hat nichts krankhaftes zu bedeuten und ist rein beschreibender Natur gemeint.
Wie sieht ein Analfibrom aus?
Anfangs handelt es sich dabei um kleine entzündliche Vergrößerungen der Papillen. Mit der Zeit können sie weiter wachsen und bei Stuhlentleerung oder auch dauerhaft beim After sichtbar sein.[2] Es handelt sich dabei dann um kugelige und derbe Vergrößerungen, die eine Länge von bis zu 4 cm erreichen können.[4] Aufgrund ihres Aussehens werden sie umgangssprachlich auch als „Katzenzähnchen“ bezeichnet.[2]
Bleibt jedes Analfibrom gleich?
Zuerst entsteht eine entzündliche Veränderung der Papille, die meist durch chronische und wiederkehrende entzündliche Prozesse ausgelöst wird. Im Laufe der Zeit verändern sich Analfibrome und nehmen an Größe zu, wobei sie sich zunehmend verhärten und verdicken. Dabei kann es manchmal zu sogenannten fibrosierten Analpolypen kommen. Diese können dann eben auch aus dem After vorfallen.[2]
Symptome: Wie macht sich ein Analfibrom bemerkbar?
Analfibrome verursachen in vielen Fällen keine Symptome. Besonders kleine Veränderungen der Papillen werden, den Erfahrungen nach, nicht bemerkt. Bei zunehmendem Wachstum können größere Fibrome allerdings zu einer Reihe von Symptomen führen. Diese werden dann immer häufiger vom betroffenen Patienten wahrgenommen. Einerseits kann ein Fremdkörpergefühl in der Region bemerkt werden. Andererseits können größere Papillen auch während der Stuhlentleerung zu schmerzen und zu bluten beginnen. Zudem wird der korrekte Verschluss des Afters potentiell beeinträchtigt. So können auch kleine Mengen an Stuhl hinausgelangen und Entzündungen der Haut verursachen. Auch Stuhlschmieren in der Unterwäsche und Juckreiz können ein Zeichen dafür sein. Manche Patienten entwickeln auch Inkontinenzstörungen.[1]
- Fremdkörpergefühl
- Juckreiz
- Schmerzhafte Stuhlentleerung
- Stuhlschmieren
- Blutspuren
- Inkontinenz
Was sind die Ursachen für ein Analfibrom?
Grundsätzlich kann jeder ein Analfibrom entwickeln, da die Entstehung unabhängig von Geschlecht oder Alter ist. Ursächlich liegt meistens eine Entzündung im After vor, die durch Reizung der Region diese Veränderung der Papillen auslöst. Ein operativer Eingriff oder eine Verletzung können auch mögliche Ursachen eines Analfibroms sein.[1]
Warum muss man der Ursache auf den Grund gehen?
Ein Analfibrom deutet in den meisten Fällen darauf hin, dass ein chronischer analer Reizzustand vorliegt. Das ist grundsätzlich noch nicht gefährlich. Dieser kann auch durch vergrößerte Hämorrhoiden, Analfisteln oder Analfissuren ausgelöst werden:[2] [7]
- Hämorrhoiden: Vergrößerungen der Blutgefäße im oberen Teil des Analkanals[5]
- Analfisteln: Unnatürliche vom After ausgehende Gänge[2]
- Analfissuren: Riss in der innen liegenden Schleimhaut des Afters[6]
Es gibt also unterschiedliche Ursachen, die ein Analfibrom auslösen können. Jedoch gibt es auch viele gefährlichere Krankheiten, die ähnliche Symptome zeigen. Diese müssen also auch bei der Diagnosefindung beachtet und ausgeschlossen werden:[2]
- Tiefsitzende Rektumadenome
- Darmkrebs im untersten Abschnitt (Rektumkarzinome)
- Spezieller Hautkrebs, der nicht von pigment-produzierenden Zellen (Melanozyten) ausgeht (Morbus Bowen)[16]
- Krebsvorstufen der Haut (Basaliome)
- Bösartiger Krebs, der von der glatten Muskulatur ausgeht (Leiomyosarkome)[15]
- Hautkrebs (Melanome)
Wie läuft der Arztbesuch ab?
Kleine Analfibrome lösen in der Regel keine Symptome aus und bleiben oft unbemerkt. Ein Besuch beim Arzt wird daher oft erst später, bei ersten Anzeichen von Symptomen, wahrgenommen. Dann ist ein Gastroenterologe beziehungsweise ein Proktologe, die richtige Anlaufstelle.
- Anamnese: Beim Arztbesuch wird eine ausführliche Patientenbefragung vorgenommen. Erkrankungen der Familie, einem selbst als auch die vorliegenden Symptome werden im Detail besprochen.
- Inspektion: Die Betrachtung der äußeren Analregion. Bei der bloßen Betrachtung der Analregion wird der Patient meist gebeten zu pressen und daraufhin wieder zu entspannen. Analfibrome, die während des Pressvorgang hervortreten werden so entdeckt.
- Palpation: Die Abtastung des Afterbereichs erfolgt ohne notwendige Vorbereitung. Der Patient liegt hierbei üblicherweise auf seiner linken Seite auf einer Liege.
- Proktoskopie: Zur genauen Abklärung kann zudem eine Proktoskopie durchgeführt werden. Dabei wird unter Verwendung von Gleitmittel ein Rohr in den Anus eingeführt. Eine integrierte Kamera erlaubt so einen genauen Blick auf den Analkanal.
Nach Begutachtung der Region schlägt der zuständige Arzt / Ärzt:in die angemessene Behandlungsmethode nach seiner Erfahrung her vor.[2]
Wie beugt man Symptomen von einem Analfibrom vor?
Die Symptome von perianalen und analen Erkrankungen gehören zu den häufigsten Beschwerden, über die Patienten in Hausarztpraxen berichten. Die Verbreitung dieser Beschwerden ist so groß, dass jährlich etwa 1,5 Millionen Rezepte für Präparate des After und Enddarmbereiches ausgestellt werden.[13] Es ist auf der einen Seite wichtig diese Beschwerden ernst zu nehmen und angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Auf der anderen Seite ist auch eine adäquate Prävention dieser Erkrankungen und ihrer Symptomatiken essenziell.
Die Vorbeugung von Analfibromen ist von entscheidender Bedeutung, um potenziell unangenehme Symptome zu vermeiden und die Gesundheit des Analbereichs zu erhalten. Hier finden sie einige einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen, die man nutzen kann, um das Risiko von Analfibromen zu senken:
Ernährung: Für eine optimale Darmgesundheit ist es wichtig, den Stuhlgang zu regulieren und sowohl Verstopfung als auch Durchfall zu vermeiden. Verhärteter Stuhl kann zu einem Stau im Analkanal führen und das Pressen während des Stuhlgangs erschweren.[4] Daher ist es ratsam, die Ernährung um ballaststoffreiches Obst, Gemüse und Kleie zu erweitern, um eine gesunde Verdauung zu fördern.[12]
Trinkverhalten: Zusätzlich ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr entscheidend um den Darminhalt zu hydrieren. Diese Maßnahmen können besonders hilfreich sein, wenn der Druck im Analkanal erhöht ist, wie bei einem Analfibrom.[4]
Lokale Pflegeprodukte: Salben oder Cremen können helfen die Symptome zu lindern. Gleichzeitig sind sie empfehlenswert, um je nach Patient:in die Grundursache, wie Analfissuren, Hämorrhoiden etc. zu behandeln.[2] Auch können lokale Salben mit entsprechenden Inhaltsstoffen entzündungshemmend wirken.[10] [11]
Hygiene: Eine optimierte Analhygiene schafft Umgebungsbedingungen, bei denen die Haut beim Anus weniger gereizt wird. So werden weitere chemische oder mechanische Irritationen verhindert.
- Reinigung ohne die Verwendung von reizenden Reinigungsmitteln, stattdessen mit lauwarmem Wasser (zum Beispiel Analduschen oder Sitzbäder)
- Sanftes Trocknen durch Tupfen mit Wattepads, weichen Handtüchern oder ungebleichten, nicht parfümierten Papiertüchern[14]
Wie wird ein Analfibrom behandelt? Muss man es entfernen?
Wenn ein Analfibrom vom behandelnden Arzt diagnostiziert wird, erfolgt die Auswahl der Therapie anhand sorgfältiger Überlegungen und dessen Erfahrungen. Diese ist vor allem angepasst an individuelle Beschwerden und Bedürfnisse.
Bei kaum spürbaren Beschwerden durch das Analfibrom, ist eine Behandlung meist nicht notwendig und man muss es nicht entfernen. Jedoch bei größeren Varianten oder einer starken Ausprägung von Symptomen kann der behandelnde Arzt das chirurgische Entfernen des Analfibroms vorschlagen.[1]
Für diese Art der Therapie stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Die Verwendung von Laser oder Hochfrequenz-Diathermieschlingen, bzw. auch die direkte Abtragung mit der Diathermie (Strom/Elektrokauter) erschafft hierbei Erleichterung durch komplette Entfernung des Analfibroms.
Wie entfernt man das Analfibrom chirurgisch?
Die Behandlung mit der Hochfrequenz-Diathermie Schlinge (elektrische Schlinge) erfolgt in mehreren Schritten:
- Zunächst wird die vergrößerte Analpapille unter örtlicher Betäubung entfernt. Die Lokalbetäubung ist dabei unerlässlich, da der Eingriff im Bereich der Analschleimhaut durchgeführt wird. Diese ist sehr empfindlich.[8] [3]
- Der Chirurg umschließt die Analpapille mit der geöffneten Hochfrequenz-Diathermie Schlinge und aktiviert sie. Die Schlinge wird unter Strom gesetzt und es werden Stromstöße abgegeben, bis die Analpapille vollständig abgetrennt ist.
- Nach der Entfernung des Analfibroms können der Erfahrung nach Schmerzen und Blutungen auftreten. Dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall.[4]
Gibt es auch ergänzende Therapieansätze? Was ist mit Hausmitteln?
Analfibrome können unter anderem Beschwerden wie Juckreiz und Unbehagen verursachen. Dies stellt einen weiteren Angriffspunkt für etwaige symptomlindernde Therapiemöglichkeiten auch mit Hausmittel dar.
Hamamelis
Hamamelis wird aus der Pflanze Hamamelis virginia gewonnen. Die biochemische Zusammensetzung diese Pflanze trägt zu ihren pharmakologischen Eigenschaften bei. Dabei wurde eine antioxidative, entzündungshemmende und antitumorale Wirkung gezeigt.[10] [11]
Die Verwendung von Hamamelis, einem natürlichen entzündungshemmenden Mittel, kann daher eine konservative Behandlungsoption sein, um die Haut zu beruhigen und Juckreiz zu lindern. Die Pflanze befindet sich dabei in einer Salbe, die auf die Haut aufgetragen werden kann.[9]
Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass konservative Ansätze wie Hausmittel möglicherweise nicht immer ausreichen, um die Entstehung von Analfibromen zu vermeiden bzw. deren Symptome effektiv zu lindern. Insbesondere ist dies bei fortgeschrittenen oder persistenten Varianten der Fall.[1]
Es ist essenziell mit einem Arzt über die bestmögliche Behandlungsoption zu sprechen, und individuelle Bedürfnisse und Symptome zu berücksichtigen. Während konservative Ansätze und Hausmittel, wie Hamamelis, eine Rolle bei der Symptomlinderung, lokaler Pflege und der Lebensqualität spielen können, kann eine chirurgische Entfernung in einigen Fällen die wirksamste Option sein, um Analfibrome zu behandeln.
Zusammenfassung
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ein Analfibrom eine gutartige Vergrößerung im Bereich des Analkanals darstellt, die jedoch aufgrund der weitgehenden Beschwerdefreiheit oft unentdeckt bleibt. Ein frühzeitiger Arztbesuch bei allfälligen Beschwerden ist die einzige Möglichkeit, dieses Fibrom in bereits sehr frühem Stadium zu entdecken. Eine Symptomlinderung z.B mit lokalen Pflegesalben ist bei kleineren Analfibromen oft der beste Therapieansatz. Für größere, beschwerdereiche Varianten, die auf Hausmittel und lokale Salben nicht ansprechen, empfiehlt es sich manchmal, diese chirurgisch entfernen zu lassen.
Quellen
- 1. H. Dr. med. B. Lenhard, „AWMF,“ 01 11 2002. [Online]. Available: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-011p.pdf.
- 2. W. Rainer, O. Peter und T. Schiedeck, Proktologie : ein Leitfaden für die Praxis, Stuttgart: Thieme, 2011.
- 3. A. Waldeyer, F. Anderhuber, F. Pera und J. Streicher, Waldeyer - Anatomie des Menschen : Lehrbuch und Atlas in einem Band, De Gruyter, 2012.
- 4. B. Mölle, A. Ommer, J. Lange und J. Girona, Chirurgische Proktologie, Heidelberg: Springer, 2018.
- 5. L. Varut, „Hemorrhoids: from basic pathophysiology to clinical management,“ World Journal of Gastroenterology, 07 05 2012.
- 6. S. A. Salati, „Anal Fissure - an extensive update,“ Polish Journal of Surgery, pp. 46-56, 2021.
- 7. P. J. Gupta, „A study of hypertrophied anal papillae and fibrous polyps associated with chronic anal fissures,“ Rom J Gastroenterology, 2004.
- 8. B. G. Wolff, The ASCRS Textbook of Colon and Rectal Surgery, New York: Springer New York, 2007.
- 9. B. J. Hughes-Formella, „Anti-inflammatory effect of hamamelis lotion in a UVB erythema test,“ Dermatology, 1998.
- 10. V. A. Jones, „Complementary and alternative medicine treatments for common skin diseases: A systematic review and meta-analysis,“ JAAD International, 2021.
- 11. S. Sanchez-Tena, „Hamamelitannin from witch hazel (Hamamelis virginiana) displays specific cytotoxic activity against colon cancer cells,“ Journal of Natural Products, 2021.
- 12. J. WMcRorie, „Understanding the Physics of Functional Fibers in the Gastrointestinal Tract: An Evidence-Based Approach to Resolving Enduring Misconceptions about Insoluble and Soluble Fiber,“ Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 2016.
- 13. D. Nagle, „Primary care office management of perianal and anal disease,“ Primary Care, 1996.
- 14. „Diagnostik und Therapie des Analekzems,“ 02 09 2019. [Online]. Available: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-007l_S1_Anakekzem-Diagnostik-Therapie_2019-10_1.pdf.
- 15. S. Caesar, „Leiomyosarcoma,“ Hematology/Oncology Clinics of North America, 2013.
- 16. M. J. Barysch, „Nicht-melanozytärer Hautkrebs,“ Praxis, 2016.
- 17. H. Rohde, Lehratlas der Proktologie, Stuttgart: Thieme, 2007.
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