Hämorrhoiden: Ursachen, Symptome & Behandlung
Verfasst vonDr. Kienbacher, fachlich geprüft vonDr. Barrientos
Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind keine Krankheit, sondern ein normaler Teil der Anatomie. Gemeint ist ein ringförmiges, arteriell durchblutetes Gefäßpolster im obersten Abschnitt des Analkanals, das Corpus cavernosum recti. Es dichtet den After zusätzlich ab und trägt damit zur Feinkontinenz bei, hält also kleinste Mengen Stuhl und Darmgase zurück.
Erst wenn sich dieses Polster dauerhaft vergrößert, nach außen tritt oder Beschwerden verursacht, spricht man medizinisch korrekt von einem Hämorrhoidalleiden. Umgangssprachlich hat sich dafür der kurze Begriff Hämorrhoiden durchgesetzt. Vergrößerte Polster finden sich typischerweise bei 3, 7 und 11 Uhr, bezogen auf die Steinschnittlage bei der Untersuchung.[1] [2]

Wie macht sich ein Hämorrhoidalleiden bemerkbar?
Das Leitsymptom ist eine schmerzlose, hellrote Blutung. Betroffene entdecken Blutspuren am Toilettenpapier, Auflagerungen auf dem Stuhl oder einzelne Tropfen in der Toilettenschüssel. Dazu kommen häufig Juckreiz, Brennen, ein Nässen im Analbereich, Stuhlschmieren in der Wäsche und das Gefühl, der Darm sei nicht vollständig entleert.
Wichtig für die Einordnung: Starke Schmerzen sprechen eher gegen Hämorrhoiden. Die inneren Gefäßpolster liegen oberhalb der Linea dentata, also in einem Bereich, der kaum schmerzempfindlich ist. Wer plötzlich heftige Schmerzen am After bemerkt, hat häufiger eine Analvenenthrombose, eine Analfissur oder einen Abszess. Treten die Polster nach außen, kommen ein Druck- oder Fremdkörpergefühl und bei höheren Graden ein sichtbarer Vorfall hinzu.[1] [7]
Welche Stadien gibt es?
Das Hämorrhoidalleiden wird in vier Grade eingeteilt. Die Einteilung beschreibt, wie weit sich das Gefäßpolster aus dem Analkanal nach außen verlagert:
Grad I: Die Polster sind vergrößert, aber nur bei der Proktoskopie sichtbar. Sie treten nicht nach außen.
Grad II: Beim Pressen treten sie hervor und ziehen sich anschließend von selbst wieder zurück.
Grad III: Sie treten hervor und müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden.
Grad IV: Der Vorfall besteht dauerhaft und lässt sich nicht mehr zurückschieben.
Der Grad bestimmt maßgeblich, welche Behandlung infrage kommt. Er sagt jedoch nichts darüber aus, wie stark die Beschwerden sind: Auch ein Grad I kann deutlich bluten, während ein Grad III zeitweise kaum auffällt.[1] [2]

Wie entsteht ein Hämorrhoidalleiden?
Die Gefäßpolster werden von Bindegewebe und Muskelfasern im Analkanal gehalten. Lässt dieser Halteapparat nach, sinken die Polster ab und stauen sich mit Blut. Als wichtigste Auslöser gelten harter Stuhl und starkes Pressen beim Stuhlgang: Beides erhöht den Druck im Analkanal und zieht das Gewebe nach unten.
Weitere Faktoren, die diskutiert werden, sind eine ballaststoffarme Ernährung, langes Sitzen auf der Toilette mit Lesen oder Handy, chronische Verstopfung, Schwangerschaft und Geburt, Übergewicht, schweres Heben sowie eine erbliche Bindegewebsschwäche. Für viele dieser Risikofaktoren ist die Datenlage allerdings schwächer, als es der Alltagsverstand vermuten lässt.[1] [2] [4]
Wer ist betroffen?
Das Hämorrhoidalleiden ist eine der häufigsten proktologischen Erkrankungen überhaupt. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 fand eine weltweite Punktprävalenz von rund 26 Prozent. Für die europäische Region lag der Wert bei etwa 26 Prozent, bei Frauen mit 27,3 Prozent leicht höher als bei Männern mit 25,7 Prozent.[3]
In einer österreichischen Untersuchung an Personen, die zur Vorsorge-Darmspiegelung kamen, ließen sich bei 38,9 Prozent vergrößerte Hämorrhoiden nachweisen. Knapp die Hälfte von ihnen hatte tatsächlich Beschwerden. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr. Viele Betroffene warten aus Scham lange, bevor sie sich Hilfe holen.[4]

Hämorrhoiden oder etwas anderes?
Nicht jede Beschwerde am After geht auf Hämorrhoiden zurück, und genau hier passieren die meisten Fehleinschätzungen. Abzugrenzen sind unter anderem Marisken, also weiche Hautfalten am Afterrand, die schmerzhafte Analvenenthrombose, die Analfissur, das Analekzem, der Analprolaps, ein Analfibrom sowie Feigwarzen.
Entscheidend ist: Eine hellrote Blutung kann auch von einem Polypen oder einem Darmkrebs stammen. Hämorrhoiden sind die häufigste, aber nicht die einzige Erklärung. Eine Selbstdiagnose ist bei Blut im Stuhl daher keine gute Idee.[1] [7]
Wie wird die Diagnose gestellt?
Am Anfang steht das Gespräch über Beschwerden, Stuhlgewohnheiten und Vorerkrankungen. Danach folgen die Inspektion des Afters, das Abtasten mit dem Finger und als entscheidender Schritt die Proktoskopie: Dabei wird ein kurzes, beleuchtetes Röhrchen in den Analkanal eingeführt. Nur so lassen sich die Gefäßpolster beurteilen und der Grad des Hämorrhoidalleidens bestimmen.
Blut im Stuhl verlangt zusätzlich eine Abklärung des übrigen Darms. Je nach Alter, Risikoprofil und Befund schließen sich eine Rektoskopie oder eine komplette Darmspiegelung an. Hämorrhoiden und ein Darmtumor können gleichzeitig vorliegen, und der sichtbare Befund am After erklärt eine Blutung nicht automatisch.[1] [2] [7]

Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Grundsätzlich gilt: Jede Blutung aus dem After gehört einmal ärztlich eingeordnet, auch wenn sie harmlos wirkt und nicht schmerzt. Wer früh kommt, hat außerdem die besseren Chancen, mit einfachen Maßnahmen auszukommen.
Zügig abklären lassen sollte man dunkles oder schwarzes Blut, Blutungen mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Leistungsknick, eine dauerhafte Veränderung der Stuhlgewohnheiten, Blutarmut, Fieber mit starken Schmerzen als Hinweis auf einen Abszess, einen Vorfall, der sich nicht mehr zurückschieben lässt, sowie jede Blutung ab etwa 50 Jahren oder bei Darmkrebs in der Familie.[1] [7]
Welche Hausmittel und Basismaßnahmen helfen?
Die Basis jeder Behandlung ist die Stuhlregulierung, und zwar unabhängig vom Grad. Weicher, gut geformter Stuhl verringert das Pressen und damit die mechanische Belastung der Gefäßpolster. Empfohlen werden rund 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag aus Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, bei Bedarf ergänzt durch Flohsamenschalen oder Weizenkleie, dazu ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung.
Ebenso wichtig ist das Verhalten auf der Toilette: nicht pressen, den Stuhldrang nicht unterdrücken, aber auch nicht minutenlang sitzen und dabei lesen oder das Handy nutzen. Für die Reinigung eignen sich lauwarmes Wasser und weiches Abtupfen. Kräftiges Reiben, Seife und parfümierte Feuchttücher reizen die empfindliche Haut zusätzlich. Lauwarme Sitzbäder können Juckreiz und Brennen lindern.[1] [7]
Was leisten Salben, Zäpfchen und Sitzbäder?
Salben, Cremes, Zäpfchen und Analtampons wirken auf die Symptome, nicht auf die Ursache. Sie können Juckreiz, Brennen und Wundsein lindern, verkleinern die Hämorrhoidalpolster aber nicht. Lokale Betäubungsmittel helfen kurzfristig gegen Schmerzen, können jedoch Kontaktallergien auslösen. Kortisonhaltige Präparate sind nur für wenige Tage gedacht, weil die Haut bei längerer Anwendung dünner wird.
Die Leitlinie bewertet die Evidenz für die meisten örtlich angewendeten Mittel als schwach und empfiehlt sie allenfalls begleitend und zeitlich begrenzt. Für oral eingenommene Flavonoide gibt es Hinweise auf eine Verringerung von Blutungen, die Datenqualität ist aber begrenzt. Wichtig bleibt: Wer monatelang selbst behandelt, verschleppt womöglich eine Diagnose.[1] [7]
Hamamelis bei Hämorrhoiden: Was ist belegt?
Die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) ist ein Klassiker der Pflege bei analen Beschwerden. Verantwortlich sind vor allem Gerbstoffe, die zusammenziehend, also adstringierend wirken, kleine Blutungen stillen und Reizungen beruhigen können.
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur führt Hamamelisrinde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden. Traditionell bedeutet dabei: Die Anwendung stützt sich auf langjährige Erfahrung, nicht auf große klinische Studien. Hamamelis kann Beschwerden mildern, ein vergrößertes Gefäßpolster aber nicht zurückbilden. Kosmetische Pflegeprodukte mit Hamamelis sind zudem keine Arzneimittel und ersetzen keine Diagnose.[8]
Welche ambulanten Verfahren gibt es?
Reichen die Basismaßnahmen nicht aus, stehen zwei etablierte Verfahren zur Verfügung, die in der Praxis und in der Regel ohne Narkose durchgeführt werden.
Bei der Sklerosierung, auch Verödung genannt, wird ein Verödungsmittel in das Gefäßpolster gespritzt. Das Gewebe schrumpft und vernarbt. Das Verfahren eignet sich vor allem für Grad I und II, ist wenig schmerzhaft und lässt sich wiederholen. Rückfälle sind allerdings häufig.

Bei der Gummibandligatur nach Barron wird ein kleiner Gummiring über die Basis des Polsters gesetzt. Das Gewebe stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab. Eingesetzt wird die Ligatur vor allem bei Grad II und bei ausgewählten Grad-III-Befunden; dort ist sie wirksamer als die Verödung. Möglich sind ein Druckgefühl sowie, seltener, eine Nachblutung nach etwa sieben bis zehn Tagen.[1] [6] [7]

Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation kommt infrage, wenn ein Grad III oder IV vorliegt, wenn der Vorfall fixiert ist oder wenn ambulante Verfahren die Beschwerden nicht in den Griff bekommen. Zur Auswahl stehen unter anderem die abtragenden Verfahren nach Milligan-Morgan, Ferguson oder Parks, die Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo bei zirkulärem Prolaps sowie die dopplergesteuerte Ligatur der Hämorrhoidalarterien, häufig kombiniert mit einer rektoanalen Raffung.
Eine Netzwerk-Metaanalyse zeigt das typische Abwägungsmuster: Abtragende Operationen kontrollieren die Beschwerden langfristig am besten, verursachen aber mehr Schmerzen und eine längere Heilungszeit. Gewebeschonende Verfahren sind angenehmer und erlauben eine schnellere Rückkehr in den Alltag, gehen jedoch mit mehr Rückfällen einher. Welches Verfahren passt, hängt vom Befund, von Begleiterkrankungen und von den Prioritäten der Betroffenen ab.[5] [6] [7]
Welche Komplikationen sind möglich?
Unbehandelt kann ein Hämorrhoidalleiden zu wiederkehrenden Blutungen mit Blutarmut, zu einem nässenden Analekzem und zu Stuhlschmieren führen. Bei einem fixierten Vorfall kann das Gewebe einklemmen und thrombosieren. Das ist akut sehr schmerzhaft und gehört rasch in ärztliche Hände.
Nach Eingriffen sind Schmerzen, Nachblutungen, Harnverhalt und Wundheilungsstörungen die häufigsten Probleme. Seltener kommt es zu einer narbigen Verengung des Analkanals oder zu vorübergehenden Kontinenzstörungen. Nach abtragenden Operationen dauert die Wundheilung in der Regel mehrere Wochen. Sehr selten, aber schwerwiegend sind Komplikationen nach der Stapler-Methode, etwa eine Verletzung der Rektumwand.[1] [5] [7]
Kann ich Hämorrhoiden vorbeugen?
Vollständig verhindern lässt sich ein Hämorrhoidalleiden nicht, denn die Beschaffenheit des Bindegewebes ist zum Teil angelegt. Die beiden wirksamsten Hebel hat man aber selbst in der Hand: weicher Stuhl und kurze Toilettengänge ohne Pressen.
Dazu gehören eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Trinken, regelmäßige Bewegung, ein normales Körpergewicht und der Verzicht auf dauerhafte Abführmittel ohne ärztliche Rücksprache. Und: Beschwerden früh abklären lassen, statt Monate abzuwarten. Je niedriger der Grad, desto einfacher die Behandlung.[1] [2]
Quellen
- 1. Joos AK, Jongen J. S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. coloproctology. 2021;43(6):381-404. doi:10.1007/s00053-021-00555-z
- 2. Langfassung der S3-Leitlinie 081/007: Hämorrhoidalleiden. Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK), Stand 04/2019. AWMF-Registernummer 081-007.
- 3. Esmaeilnia Shirvani A, Pakdaman K, Maleki Z, et al. Worldwide prevalence of haemorrhoids: a systematic review and meta-analysis. Ann Med. 2025;58(1):2606433. doi:10.1080/07853890.2025.2606433
- 4. Riss S, Weiser FA, Schwameis K, et al. The prevalence of hemorrhoids in adults. Int J Colorectal Dis. 2012;27(2):215-220. doi:10.1007/s00384-011-1316-3
- 5. Simillis C, Thoukididou SN, Slesser AAP, et al. Systematic review and network meta-analysis comparing clinical outcomes and effectiveness of surgical treatments for haemorrhoids. Br J Surg. 2015;102(13):1603-1618. doi:10.1002/bjs.9913
- 6. Shanmugam V, Thaha MA, Rabindranath KS, et al. Rubber band ligation versus excisional haemorrhoidectomy for haemorrhoids. Cochrane Database Syst Rev. 2005;(3):CD005034. doi:10.1002/14651858.CD005034.pub2
- 7. Gallo G, Martellucci J, Sturiale A, et al. Consensus statement of the Italian society of colorectal surgery (SICCR): management and treatment of hemorrhoidal disease. Tech Coloproctol. 2020;24(2):145-164. doi:10.1007/s10151-020-02149-1
- 8. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Community herbal monograph on Hamamelis virginiana L., cortex. EMA/HMPC/114583/2008 Corr.1, 12. November 2009.
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Weitere Themen
- AnalabszessAnalabszess (Perianalabszess): bakterielle Infektion am After mit Schwellung, Schmerzen und Eiterbildung. Meist ist eine operative Behandlung nötig.
- AnalekzemAnalekzem: Entzündung der Haut rund um den After mit Juckreiz, Brennen und Nässen - meist gut behandelbar, wenn die Ursache bekannt ist.
- AnalfibromEin Analfibrom ist die krankhafte Vergrößerung einer Analpapille, die natürlicherweise im Analkanal vorkommt.
- AnalfissurAls Analfissur wird ein Riss in der innen liegenden, hochgradig empfindlichen Schleimhaut des Afters bezeichnet.
- AnalfistelEine Analfistel ist ein durch Entzündung entstandener Verbindungsgang zwischen dem Analkanal und der äußeren, den After umgebenden Haut. Erste Symptome sind meist Schmerzen und Ausfluss von Sekret aus der Fistelöffnung. Die häufigste Form der Analfistel ist die kryptoglanduläre Analfistel.
- AnalprolapsBeim Analprolaps handelt es sich um ein „herausrutschen“ der Analschleimhaut des Rektum (Enddarm, Mastdarm) aus dem Analkanal.
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