Was ist eigentlich eine Analthrombose und was kann man dagegen tun?

Eine Analvenventhrombose ist eine schmerzhafte Erkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in den oberflächlichen Venen (äußerer Venenplexus; Plexus haemorrhoidalis inferior) der Haut am Rand des Afters bildet. Dies führt zu einer rötlichen bis bläulichen Schwellung, die oft mit einer Hämorrhoide verwechselt wird. Sie kann von mehreren Milimetern bis einige Zentimeter im Durchmesser groß sein. Manchmal liegen auch gleichzeitig mehrere Knoten vor.

Synonyme sind Anal(venen)thrombose und Perianalthrombose.[1]

Was sind die Symptome von Analthrombosen?

Die Analvenenthrombose ist üblicherweise sehr schmerzhaft und tritt häufig akut auf. Es ist dann eine derbe oder harte Schwellung am Ende des Analkanals spürbar und tastbar. Auch Jucken im Analbereich ist ein häufiges Symptom. Weitere Beschwerden sind:

  • Brennen und Stechen
  • Spannungsgefühl
  • Druckempfindlichkeit beim Stuhlgang oder Betasten
  • Schwellung
  • Blutungen

Unterschied Analthrombose und Hämorrhoidalleiden

Die manifeste Analvenenthrombose hat keinen direkten Zusammenhang mit Hämorrhoiden. Es handelt sich um ein Blutgerinsel im äußeren Venenplexus, dem sogenannten Plexus haemorrhoidalis inferior (synonym: Plexus venosus subcutaneus“ und „Plexus haemorrhoidalis caudalis“).

Hämorrhoiden sind dahingegen Erweiterungen eines darüber liegenden Venengeflechtes (innerer Venenplexus, des Plexus haemorrhoidalis superior). Es handelt sich also dabei nicht um äußere (vorgefallene) Hämorrhoiden.

Vergrößerte Hämorrhoidalpolster mit Verbindung zum Plexus haemorrhoidalis inferior werden allerdings als potentielle begünstigende Faktoren für Analthrombosen genannt.

Wie entsteht eine Analthrombose

Die genaue Entstehung ist bislang nicht zufriedenstellend geklärt. Kommt das Blut im oben genannten Venenplexus teilweise oder ganz zum Stillstand bildet sich eine Thrombose, also ein Blutgerinsel. Durch die Schwellung, die durch diese Thrombose entsteht, kommt es zum Schmerzempfinden und die geschwollene Region kann dadurch wie ein Fremdkörper wahr genommen werden. Fördernde Ursachen oder die Beschleunigung dieser Erkrankung sind ebenfalls nicht genau bekannt. Einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können, werden diskutiert:

  • starke körperliche Belastung (wie z.B.: Gewichtheben, langes Fahrradfahren)
  • hoher intraabdomineller Druck: starkes Pressen z.B.: bei Verstopfung (Obstipation), Husten, schweres Heben
  • Durchfall: häufiges Pressen
  • sitzen auf kalten Flächen
  • Schwangerschaft und Entbindung
  • Menstruation (vermutlich durch hormonelle Faktoren)
  • möglicherweise bestimmte Nahrungsmittel (Gewürze, Alkohol)
  • Übergewicht
  • Mechanische Faktoren, möglicher Weise auch Analverkehr
  • Voroperationen in diesem Bereich (proktologische Operationen)
  • Verletzungen
  • lange sitzende Tätigkeiten (z.B.: ausschließlich Bürotätigkeit und Fernfahrer oder Langstreckenflüge)
  • begünstigt durch Hämorrhoidalleiden
  • Medikamente, die eine Entstehung von Thrombosen begünstigen

Liegen Teile der oben genannten Faktoren vor, ist die sogenannte Virchow-Trias erfüllt und eine Thrombose kann sich bilden.

  • Veränderungen / Schädigung an der inneren Gefäßwand.
  • Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes.
  • Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes, woraus ein Hang in Richtung Thromboseentwicklung entsteht. (Also auch Störungen des Gerinnungssystems sollen bedacht werden. Im Allgemeinen ist eine Analthrombose dafür aber kein Hinweis.)

Was ist dagegen das Hämorrhoidalleiden?

Die Hämorrhoiden und Hämorrhoidalpolster stellen einen Teil des Stuhl-Kontinenzorgans dar. Durch ihre Schwellkörperfunktion bilden sie das anale Abschlusssystem. Jeder hat also Hämorrhoiden und das ist noch nicht problematisch.

Vergrößern sich die Hämorrhoiden und werden sie symptomatisch, spricht man von Hämorrhoidalleiden. Das Hämorrhoidalleiden ist sehr häufig, etwa jeder zweite Erwachsene im Laufe seines Lebens ist davon betroffen.

Jährlich werden in Deutschland wegen eines Hämorrhoidalleidens ca. 3,5 Mio. Personen behandelt. Sie sind also nicht alleine!

Symptome des fortgeschrittenen Hämorrhoidalleidens sind ein Druck- oder Fremdkörpergefühl und Schmerzen infolge von Einklemmungen.

Aus dem Analkanal heraustretenden (prolabierende) vergrößerte Hämorrhoiden können ebenfalls - begünstigt durch die Abklemmung des Prolaps - thrombosieren und sind dann ähnlich symptomatisch wie die Analthrombose.[2] [3]

Welche Symptome treten bei einer Analthrombose auf?

Es bildet sich ein schmerzhafter, dunkelrot bis bläulich gefärbter, prall-elastischer Knoten, der druckschmerzhaft im Analkanal oder am äußeren Analkanalrand ist. Zum Teil können auch mehrere Knoten nebeneinander auftreten.

  • Das Leitsymptom: Schmerzen im Analbereich
  • Auftreten der Schmerzen: eher Akut
  • Schmerzverstärkung: Während und nach dem Stuhlgang
  • Schmerzcharakter: Brennend, stechend, Druckgefühl (wie ein Fremdkörper)

Wie wird die Analthrombose diagnostiziert?

Jedenfalls sollten Sie sich bei Beschwerden und Schmerzen in der Analregion nicht scheuen einen Besuch zur Begutachtung beim Arzt (Chirurg, Gastroenterologe oder Hausarzt) anzugehen.

Der Arzt sieht sich zunächst die Region an (Inspektion) um die genaue Lage zu identifizieren. Danach folgt das Betasten und gegebenenfalls die Untersuchung des Analkanals mit dem Finger (Palpation). Da die Analvenenthrombose stark schmerzhaft sein kann, wird ihr Arzt versuchen von dieser digital-rektalen Untersuchung im akuten Stadium jedoch abzusehen. Bei einem äußerlich nicht sichtbaren Befund kann die Untersuchung mit einem Proktoskop sinnvoll sein.

Damit kann die Diagnose üblicherweise gestellt bzw. andere Erkrankungen abgegrenzt und ausgeschlossen werden (siehe Differentialdiagnosen). Manchmal ist nach Abheilen der akuten Thrombose eine Endoskopie (Dickdarmspiegelung) sinnvoll.[4] [5]

Um welche anderen Erkrankungen kann es sich handeln? (Differentialdiagnosen)

Die Symptome einer Analthrombose können denen anderer Erkrankungen der Analregion ähneln, da mehrere Erkrankungen in diesem Bereich mit lokalen Schmerzen und / oder ggf. Schwellungen einhergehen können, wie zum Beispiel:

  • Analfissur (Sie ist ein Riss in der Haut des Afterbereiches und üblicherweise nicht mit einer Schwellung verbunden.)
  • Marisken (Sind schmerzlose Hautlappen außerhalb des Anus. Auch eine abgeklungene Analvenenthrombose kann mit einer Mariske verwechselt werden. Sie sind auch nicht geschwollen oder gerötet.)
  • Perianaler Abszess (Dieser beginnt eher langsam, schleichend. Es besteht oftmals eine Überwärmung der Region. Gleichzeitig können die Patient:innen Fieber und eine Erhöhung der Entzündungswerte im Blut haben (Leukozyten, C-reaktives Protein).
  • Analprolaps und Prolaps einer Hämorrhoide
  • Thrombosierte Hämorrhoide
  • abgeklemmte (inkarzerierte) Hämorrhoide
  • Analkarzinom
  • malignes Melanom – Man möchte es nicht glauben, aber auch an nicht sonnenexponierten Stellen können Melanome entstehen und dürfen daher nicht übersehen werden!
  • perianales Hämatom (eher unter der Haut flächig verteilt und nicht als prall-elastischer Knoten)
  • Analfistel (eventuell bei gleichzeitig bestehendem Morbus Crohn – welcher zumindest auch zu bedenken ist.). Aus einer Analfistel kann sich auch ein Perianalabszess bilden.

Was kann man tun um eine Analthrombose zu vermeiden? (Prävention)

Die Vorbeugung einer Analventhrombose ist nicht immer zu 100 Prozent möglich. Es gibt allerdings einige Maßnahmen, die das Risiko verringern können, die auch mit dem Vermeiden potentieller Ursachen einhergehen:

  • Gesundes Normalgewicht erreichen oder halten
  • regelmäßige lokale Hautpflege mit Salben
  • Nichtrauchen
  • Ausreichend trinken
  • Regelmäßig bewegen. Bewegung ist ein wichtiger Faktor zur Vermeidung und Vorbeugung generell von Thrombosen.
  • Pausen und Bewegung bei längeren Autofahrten oder Langstreckenflügen
  • Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum
  • gegebenenfalls Medikamente nach Anweisung des Arztes einnehmen
  • Stuhlregulation hin zu weichem Stuhl (z.B.: mit Flohsamenschalen, ausgewogener Ernährung und – wenn nötig – mit leichten Abführmittel)
  • Komplikationen – wie zum Beispiel Hämorrhoidalleiden – frühzeitig erkennen und behandeln lassen.

Therapie der Analthrombose – wie kann man die Heilung beschleunigen?

Die Behandlung sollte immer von einem Arzt (Chirurg, Gastroenterologe, Hausarzt) durchgeführt und begleitet werden. Früher wurde die akute Analthrombose häufig vom Arzt ausgedrückt und damit behandelt. Dies ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern entspricht auch nicht den aktuellen Leitlinien und dem empfohlenen Vorgehen. Das Ausdrücken der Analthrombose sollte also auch nicht durch einen selbst erfolgen. Stattdessen soll initial eine konservative Therapie als Behandlung versucht werden. Aufgrund der Lage außerhalb des Analkanals eigenen sich Salben ganz besonders gut. Bettruhe muss nicht eingehalten werden, ganz im Gegenteil, reichlich Bewegung ist nicht nur zur Vorbeugung, sondern auch bei Vorhandensein einer Analthrombose wichtig.

Konservative Therapie der Analvenenthrombose

Vor allem bei einem nicht sehr ausgeprägtem Befund, abklingenden Schmerzen, geringem Leidensdruck sollte konservativ, also nicht operativ behandelt werden. Unser Körper und dessen Gerinnungssystem ist so optimiert, das entstandene kleine Thrombosen üblicherweise von selbst wieder aufgelöst werden. Bei der konservativen Therapie wird die grundsätzlich häufige spontane Rückbildung mit lokaler Therapie gefördert und versucht die Heilung zu beschleunigen.[6]

Diese beinhaltet:

  • lokale Salben mit anti-entzündlicher (antiphlogistisch), durchblutungsfördernder, juckreizhemmender und abschwellender Wirkung.
  • Analhygiene
  • Schmerzlindernde (analgetische) Salben
  • Sitzbäder (antientzündlich, lokal desinfizierend), 2-3x täglich, insbesondere nach dem Stuhlgang
  • eventuell Kortisonhaltige Salben
  • Kühlen Achtung: legen sie immer ein Tuch zwischen Kühlkörper/Eis und Haut um die Region nicht lokal zu unterkühlen und damit zu verletzen. Zu häufige Kühlintervalle können durch eine übermäßige Durchblutung manchmal die Situation sogar verschlechtern, daher zurückhaltend kühlen.
  • auch Präparate zur oralen Einnahme mit abschwellender und anti-entzündlicher Wirkung werden empfohlen. (Dabei sollte hier bei Risikofaktoren und längerer Behandlungsdauer auch eventuell an die Einnahme eines Magenschutzes parallel gedacht werden.)
  • Wichtig ist auch die Stuhlregulierung hin zu weichem Stuhl, dies kann kurzfristig auch mit milden Abführmittel erfolgen.

Die interventionelle / operative Behandlung

Die chirurgische Entlastung und damit Behandlung erfolgt lege artis:

  • Als Stichinzision und schonender Entfernung des Thrombus. Bei dieser Variante kommt es etwas häufiger zu Rückfällen (Rezidiven). Vor allem große Analvenenthrombosen sind häufig gekammert und werden so nicht ausreichend therapiert.
  • durch Herausschneiden (Exzision) der Thrombose Bei größeren Analvenenthrombosen, die weder konservativ noch per Stichinzision therapierbar sind. Es wird die Thrombose komplett chirurgisch abgetragen. Anschließend erfolgt die offene Wundheilung.

Beide Verfahren sind in Lokalanästhesie, also ohne OP-Saal und Krankenhausaufenthalt in einer Ordination oder Ambulanz möglich.[7] [8] [9]

Nachsorge nach einem chirurgischen Eingriff

Wurde die Analvenenthrombose chirurgisch behandelt, oder hat sich diese von selbst eröffnet, wird folgendes Vorgehen für danach vorgeschlagen:

  • häufiges Ausduschen des Afters, insbesondere nach dem Stuhlgang oder Verwenden eines Bidet
  • Sitzbäder (antientzündlich, lokal desinfizierend), 2-3x täglich, insbesondere nach dem Stuhlgang
  • Vorlegen von Kompressen in die Gesäßfalte, ggf. mit speziellen Salben
  • Bedarfsorientierte Schmerzmedikation (bei Risikofaktoren und länger dauernder Therapie in Verbindung mit einem Magenschoner)
  • Vermeiden von Verstopfungsbeschwerden (Obstipation): Ausreichende Trinkmenge, Quellmittel, milde Abrührmittel
  • Ggf. proktologische Nachuntersuchung nach ca. 6 Wochen

Prognose

Die Analthrombose ist üblicher Weise harmlos und bildet sich meist nach 7-14 Tagen sogar von selbst zurück. Bei konservativer Behandlung erfolgt die komplikationslose Abheilung meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Eventuell erfolgt der spontane, selbständige Abgang/Eröffnung des Thrombus mit begleitender Blutung.

Wird chirurgisch behandelt, liegt der Vorteil in einer sofortigen Schmerzlinderung nach Beseitigung der Thrombose.

Die Rezidivrate – also wie häufig eine Analthrombose wieder auftritt – ist bei beiden Behandlungen ähnlich hoch (ca. 15%).

Hautlappen, ähnlich Marisken, können außerhalb des Analkanals als Residuen bestehen bleiben. Bei häufig rezidivierenden Thrombosen sollte an ein begleitendes bzw. verstärkendes Hämorrhoidalleiden und ggf. eine entsprechende Therapie erfolgen. Auch sollten dann weitere Differentialdiagnosen (z.B. Analfistel, etc. bedacht werden). Deshalb sollte auch nach Abheilung immer die Kontrolle beim Arzt nach einigen Wochen erwogen werden.

Zusammenfassend handelt es sich bei der Analvenenthrombose meist um ein akutes Krankheitsbild, das man aber gut behandeln kann. Lokale Salben können häufig helfen. Bildet sie sich so nicht von selbst zurück, sollte man sie jedenfalls nicht ausdrücken, sondern professionell vom Chirurgen behandeln lassen. Die Behandlung durch den Chirurgen beschleunigt die Heilung.[10]

Quellen

  1. 1.
    Kahlke V. Hämorrhoidalleiden – Stadiengerechte Therapie (2012). Im Internet: http://www.allgemeinarzt-online.de/a/stadiengerechte-therapie-1562730; Stand: 06.09.2019
  2. 2.
    Lange J, Mölle B, Girona J. Chirurgische Proktologie. Berlin: Springer Medizin; 2012
  3. 3.
    Joos A. K., Arnold R. Borschitz T. S3-Leitlinie-Hämorrhoidallleiden. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie. AWMF-Leitlinienregister Nr. 081/007. 04/2019
  4. 4.
    Herold A, Kirsch J J, Staude G et al. Multizentrische Erfahrungen mit der Stapler-Hämorrhoidenoperation. Coloproctology. 2001; 23 2-7
  5. 5.
    Stelzner F, Staubesand J, Machleidt H. Das Corpus cavernosum recti – die Grundlage der inneren Haemorrhoiden. Langenbeck's Arch Chir. 1962; 299 302-312
  6. 6.
    Walker A, Leicester R, Nicholls R. A prospective study of infrared coagulation, injection and rubber band ligation in the treatment of hemorrhoids. Int J Colorect Dis. 1990; 5 113-116
  7. 7.
    Rohde: Lehratlas der Proktologie. Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-40881-5. , 237.
  8. 8.
    Stoll: Repetitorium Proktologie. Springer 2018, ISBN: 978-3-662-57267-2.
  9. 9.
    Feisthammel: Analvenenthrombose. In: SpringerReference Innere Medizin. 2015, doi: 10.1007/978-3-642-54676-1_297-1.p.1-3.
  10. 10.
    Jongen et al.: Analvenenthrombose und thrombosierter Hämorrhoidalprolaps. In: Aktuelle Dermatologie. Band: 42, Nummer: 06, 2016, doi: 10.1055/s-0042-102286.p.235-242.

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